Die zweite Corona-Welle hat Deutschland seit einigen Wochen fest im Griff. Mit einem Inzidenzwert von fast 600 Infizierten pro 100.000 Einwohner ist der Landkreis Regen die Region, die in der Bundesrepublik derzeit am stärksten von Covid-19 betroffen ist. Das Grundgesetz ermöglicht es Behörden, in Krisenzeiten um Amtshilfe durch die Bundeswehr zu ersuchen. Deshalb wird das Landratsamt Regen seit der letzten Oktoberwoche von elf Soldatinnen und Soldaten des Panzergrenadierbataillons 112 aus Regen unterstützt. Zusammen mit Personal des Landratsamts und anderer Behörden wie der Polizei und der Finanzverwaltung leisten sie ihren Beitrag, die dramatische Situation im Landkreis Regen zu bewältigen. Grund genug also, sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen. Als wir an diesem kalten Dezembermorgen im Eingangsbereich des Landratsamts ankommen, weist uns bereits eine Sicherheitskraft darauf hin, dass ab hier Maske zu tragen ist und die Hände zu desinfizieren sind. Vieles wirkt anders als in der Zeit vor Corona. Auch die ersten Soldaten sehen wir auf den Fluren. Wir werden persönlich von der Landrätin, Frau Rita Röhrl, begrüßt und herzlich in Empfang genommen. Begleitet wird sie von der Amtsärztin, Frau Dr. Carolin Müller. Sie leitet das Gesundheitsamt. Nach einem ersten Gespräch mit der Landrätin und der Amtsärztin über die Situation im Landkreis betreten wir einen großen Besprechungsraum, der zu einer Informationszentrale umgebaut wurde. Es herrscht reger Betrieb. Zivile Kräfte und Uniformierte sitzen an den Arbeitsplätzen vor den Monitoren, die Telefone scheinen nicht still zu stehen. Hier laufen alle Informationen über Covid-19 im Landkreis Regen zusammen. Der Leiter des Bundeswehr-Teams im Landratsamt ist Herr Hauptgefreiter Christian Aberle. Er ist 21 Jahre jung, kommt aus Sinsheim in Baden-Württemberg und ist direkt nach dem Abitur Soldat geworden. Seit Februar 2018 ist er Angehöriger der 1. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 112 und kümmert sich im normalen Dienstalltag zum Beispiel darum, dass die Funkverbindung im Bataillon jederzeit steht. Sein momentaner Arbeitsplatz befindet sich aber nicht in der Bayerwald-Kaserne oder auf dem Übungsplatz. In der Informationszentrale nimmt er sich die Zeit und weist uns in das Geschehen ein. Aberle hat die Bayerwaldgrenadiere auf zwei Schichten aufgeteilt, die er wechselweise einsetzt. Nach sieben Tagen wird die erste Crew von der zweiten abgelöst. Jeden Tag arbeiten die Frauen und Männer von 08:00 Uhr morgens bis 20:00 Uhr abends. Unter anderem nehmen die Soldatinnen und Soldaten zahlreiche Telefonanrufe entgegen. „Das kann beispielsweise ein positiver Corona-Fall, die Meldung einer Kontaktperson, aber auch Informationsbedarf aus der Bevölkerung sein“, so der Hauptgefreite. Die Aufgabenbereiche hat er nach Fähigkeiten zugeordnet, die sich im Laufe der Zeit abgezeichnet haben. „Jeder macht jetzt das, was er oder sie am besten kann“. Zusammen mit dem zivilen Personal werden hier also unter anderem Neuinfektionen erfasst, Kontaktpersonen ermittelt, der Beginn und das Ende von häuslicher Isolierung gesteuert und ein aktuelles Lagebild für Landratsamt geschaffen. Christian Aberle gefällt sein außergewöhnlicher Dienst im Landratsamt. Auch bei zornigen Anrufern müsse man nach einem schlauchenden Arbeitstag und dem hohen Koordinierungsaufwand freundlich und professionell bleiben. Das gelänge seinem Team und ihm aber immerzu. Für ihn persönlich sei der Amtshilfe-Einsatz trotz der Belastung eine tolle Erfahrung. Die Zusammenarbeit mit der Amtsärztin und dem Personal des Gesundheitsamts und anderer Behörden empfände er als sehr kollegial und herzlich. Auch Führungsverantwortung zu übernehmen und in der Krise einen sinnvollen Dienst für sein Land leisten zu können, sei ein großer Gewinn, sagt der junge Hauptgefreite. Die Landrätin, Frau Rita Röhrl, zeigte sich begeistert über das Engagement, das die Frauen und Männer aus der Bayerwald-Kaserne im Landratsamt Regen an den Tag legen. Auch die Amtsärztin, Frau Dr. Carolin Müller, lobte die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten und hob die Wichtigkeit der Unterstützung durch die Bundeswehr bei der Bewältigung der Covid-19-Lage im Landkreis hervor. Insgesamt arbeiten rund 50 Menschen, aufgeteilt auf verschiedene Schichten, im Bereich des Landratsamts an der Bewältigung der Corona-Krise. Das Panzergrenadierbataillon 112 unterstützt zusätzlich mit jeweils zehn Soldatinnen und Soldaten das Landratsamt Passau und ein Altenheim in Zwiesel. Nach den Eindrücken im Landratsamt kommen wir zum Ende unseres Besuchs zu dem Schluss: Es geht bei uns nur miteinander, aber miteinander geht’s! Christian Aberle freut sich schon auf eine Zeit nach Corona. Dann will er mit seiner Freundin wieder unbeschwert Urlaub machen und seine Freunde treffen können. Für seine berufliche Zukunft wird er die Führungserfahrung aus dem Landratsamt auf jeden Fall gut gebrauchen können. Er hat das Einstellungsverfahren für die Offizierlaufbahn erfolgreich absolviert, wird ab Sommer 2021 zum Offizier der Jägertruppe ausgebildet und an der Universität der Bundeswehr in München Maschinenbau studieren.

Quelle: Lorenz, Bundeswehr