Oberstleutnant d.R. Andreas Würstl, der „gespiegelte Bataillonskommandeur“

 

Regen (hau). Mittlerweile ein gewohntes Bild: Oberstleutnant d.R. Andreas Würstl sitzt wieder einmal am Schreibtisch des Regener Bataillonskommandeurs, Oberstleutnant Jan-Mirko Schmidt. Als „gespiegelter“ Reservist vertritt er den Kommandeur aber nicht nur vom Schreibtisch aus sondern vielmehr auch bei Übungen oder anderweitigen Ausbildungsvorhaben bei dessen Abwesenheit. Terminüberschneidungen, Lehrgänge, Ausbildungen, Tagungen und Urlaub – auch ein Bataillonskommandeur braucht einen Vertreter. Dabei ist nicht nur er froh, dass er seine vielfältigen Aufgaben nicht einem anderen Stabsoffizier zusätzlich aufbürden muss. Seit mehreren Jahren bereits übernimmt diese Aufgabe immer wieder Oberstleutnant d.R. Andreas Würstl. Was bringt ihn dazu mehrmals im Jahr für mehrere Tage oder Wochen seine acht Angestellten in der eigenen Steuerberatungskanzlei und die Familienangehörigen alleine zu lassen und rund 400 Kilometer entfernt die verantwortliche Führung über rund 800 Soldaten zu übernehmen? Wir haben ihn gefragt:

Wie und wann begann Ihr Engagement als Reservist der Bundeswehr?

Im Jahre 1990 habe ich unmittelbar im Anschluss an meine 2jährige aktive Dienstzeit als Fähnrich meine erste Wehrübung absolviert und wurde daraufhin zum Leutnant befördert. Anschließend habe ich während meines Studiums immer wieder als Zugführer geübt und neben mehreren Lehrgängen auch den Kompaniecheflehrgang absolviert.

Wie kam es zu ihrer Einplanung als Reservist beim Regener Panzergrenadierbataillon 112?

Regen war damals der 10. Panzerdivision mit Sitz in Sigmaringen unterstellt. Ich wurde innerhalb der Division vom Regener Panzergrenadierbataillon als Vertreter eines Kompaniechefs angefordert und habe sodann in den Folgejahren mehrfach als solcher Wehrübungen in Regen abgeleistet. Als mein bisheriges Bataillon in der Division im Jahr 2008 aufgelöst wurde, hat man mir eine Einplanung auf den Dienstposten als S3-Stabsoffizier in Regen angeboten. Ich musste keine Sekunde überlegen um hier zuzusagen.

Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht und wie war Ihr weiterer Werdegang?

Schon ab der ersten Begegnung habe ich mich hier sehr wohlgefühlt! Man ist hier als Reservist vollständig integriert, wird anerkannt, stets gefordert aber auch bestens unterstützt. Zuvor und fortlaufend habe ich die für die Laufbahn erforderlichen Lehrgänge absolviert. Als man mir dann im Jahr 2010 den „gespiegelten“ Dienstposten als Bataillonskommandeur angeboten hat, sagte ich sofort und mit Begeisterung zu. Ich durfte daraufhin den Lehrgang für Bataillonskommandeure an der Offizierschule in Dresden absolvieren.

Welche Motivation treibt sie dabei an?

Wie bereits erwähnt fühlte ich mich vom ersten Augenblick an hier im Panzergrenadierbataillon 112 sehr wohl. Aber nicht nur die Kameradschaft, der Umgang mit- und untereinander sowie die Art und Weise der gemeinsamen Auftragserfüllung sondern auch die Einbindung in die Region und das Miteinander mit den politischen Mandatsträgern könnte nicht besser sein! Die Anerkennung für unseren Dienst, den wir Soldaten hier spüren dürfen sowie die offene und ehrliche Art und Weise mit der dir die Menschen hier begegnen, ist einzigartig! In meiner Kanzlei habe ich hervorragend-zuverlässige Mitarbeiter, die die uneingeschränkte Fortführung meines Betriebs sicherstellen. Es gibt Gott sei Dank Menschen, die sich ehrenamtlich beispielsweise bei der Freiwilligen Feuerwehr, bei Hilfsorganisationen oder anderen Institutionen engagieren und dabei ungezählte Stunden arbeiten – ich freue mich und bin sehr dankbar, dass ich mich hier in Regen beim Panzergrenadierbataillon 112 engagieren darf.

 

Foto: Hauf

Umrahmen das Wappen des Panzergrenadierbataillons 112 – links: Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Jan-Mirko Schmidt und rechts: sein „gespiegelter“ Vertreter, Oberstleutnant d.R. Andreas Würstl