Von Johannes Fuchs
Regen.

Eine veritable Gedenkstätte für gefallene und im Dienst verstorbene Soldaten – so etwas gab es bisher bei der Bundeswehr nur auf höchster Ebene. Für das Heer in Ehrenbreitstein in Koblenz, für Luftwaffe und Marine in Fürstenfeldbruck und in Laboe bei Kiel, für die gesamte Bundeswehr in Potsdam. Etwas Ähnliches für das Regener Panzergrenadierbataillon zu schaffen, daran haben Ehrenamtliche drei Jahre lang mit Ausdauer gearbeitet. Die Ausdauer wurde belohnt, am gestrigen Donnerstag wurde die Gedenkstätte in der Bayerwald-Kaserne eingeweiht. In den Wochen nach dem 18. Februar 2011 herrschte erst einmal Schockstarre im Regener Bataillon und in der ganzen Region. Drei Regener Soldaten waren beim Einsatz in Afghanistan gefallen. Nach dem Schock
wuchs allmählich die Erkenntnis, die Bataillonskommandeur Oberstleutnant Michael Torger gestern bei der Feier formulierte. Gemeinsames Gedenken gibt Kraft. Und lebendige Tradition braucht Form, braucht Symbole, Zeichen und Zeremonielle. Das Bataillon und die Hinterbliebenen wünschten sich eine Gedenkstätte, die im täglichen Dienst der Soldaten in der Kaserne
präsent ist; die daran erinnert, was den Soldaten, der seinem Gelöbnis gemäß handelt, im äußersten Fall erwarten kann. Der „Förderverein 18. Februar“ gründete sich, machte sich das Projekt zu eigen, begann Spenden zu sammeln. 2013 stand ein Denkmals-Entwurf mit Kostenschätzung über 80 000 Euro im Raum. „Damals waren wir noch sehr optimistisch“,
meinte Oberstleutnant Günther Arend, Vorsitzender des Vereins, rückblickend bei der Einweihungsfeier. Immerhin 24 Einzelspenden konnte man gewinnen, allein 2500 Euro erbrachte beispielsweise eine Benefizaktion beim FC-Bayern- Gastspiel inRegen.Die Familien der Gefallenen spendeten, Vereine und Firmen in der Region halfen mit, allen voran die Reservisten.
Auch wenn das ehrgeizige Vorhaben, alle Gemeinden des Landkreises mit ins Boot zu holen, nicht glückte: Immerhin 24 000 Euro hatte man bis 2014 gesammelt, eine stattliche Summe. Trotzdem war für die Vereinsführung jetzt klar: Man musste sich für eine deutliche schlichtere Variante entscheiden. „Wichtig war, dass jetzt etwas voranging“, sagt Arend, „denn es schieden ja immer mehr Kameraden der Gefallenen aus der Bundeswehr aus.“ Die letzten finanziellen Lücken schloss schließlich die neue Soldaten- und Veteranenstiftung des Bundeswehrverbandes und die Karl-Theodor-zu-Guttenberg- Stiftung. So konnten im April 2015 die Bauarbeiten anlaufen. Entstanden ist, in Anlehnung an die Bundeswehr-Gedenkstätte in Potsdam, ein Karree aus Gabionenmauern, das einen offenen Gedenk-Raum bildet. Auf Glastafeln sind die Namen der Männer eingraviert, die seit der Aufstellung des Bataillons gefallen oder im Dienst gestorben sind. 20 Namen sind es, die Liste
reicht von 1959 bis zum Februar 2014. An der gegenüberliegenden Wand haben die drei Gefallenen vom 18. Februar zusätzlich eine eigene Gedenkstätte erhalten. Außerhalb der Mauern steht ein hölzerner, offener Glockenturm. Nach dem Kommandeur trat bei der Einweihungsfeier Susanne Bruns ans Rednerpult, Beauftragte für Hinterbliebene des Bundesverteidigungsministerium.
Sie verlas auch ein Grußwort von Ministerin Ursula von der Leyen. Höchsten Respekt spricht die Ministerin darin den Regenern für ihr Vorhaben aus. Und wünscht sich, es solle eine Gedenkstätte sein sowohl für Rekruten als auch für die Bürger. Zusammen mit Torger und Arend enthüllte Susanne Bruns dann eine Gedenkplatte des Ministeriums. Die kirchliche Segnung der neuen Gedenkstätte übernahmen der katholische Militärgeneralvikar Reinhold Bartmann und der evangelische Militärpfarrer Johannes Waedt. Dann wurden zu Glockenschlägen die 20 Namen der Toten des Bataillons verlesen. Mit dem Lied vom guten Kameraden, gespielt vom Heeresmusikkorps aus Ulm, ging die Feier an der Gedenkstätte zu Ende. Das Bataillon hatte die Gäste danach zu einem Stehempfang in den Mannschaftsspeisesaal eingeladen. Unter ihnen waren als ranghöchster Offizier Generalmajor Erhard Bühler und als wohl prominentester Gast der frühere ehrdienstbeauftragte
der Bundesregierung, Helmut Königshaus.

Das Bild zeigt: Besonders hervorgehoben 3 Säulen für die drei Soldaten, die am 18. Februar 2011 in Afghanistan gefallen sind.