Seit 2001 sind alle Laufbahnen und Verwendungen in der Bundeswehr auch für Frauen geöffnet. Seitdem steigt der Anteil an Frauen, die den Dienst als Staatsbürgerinnen in Uniform leisten, kontinuierlich an. Dies wird vor allem am Verhältnis zu der gesamten Personalstärke der Bundeswehr deutlich. Im Dezember 2001 zählte die Bundeswehr 293.611 Soldatinnen und Soldaten – davon 6.721 Frauen. Im Jahre 2018 war die Personalstärke der Bundeswehr auf 181.274 reduziert – der Anteil an Soldatinnen aber bei 21.931. Heute leisten knapp 23.500 Frauen ihren Dienst in Uniform, das sind etwa 13% der aktuell 184.000 militärischen Angehörigen der Bundeswehr.

Der Frauenanteil in den Streitkräften ist allerdings von Teilstreitkraft zu Teilstreitkraft unterschiedlich. So betrug der Frauenanteil 2018 im Sanitätsdienst zum Beispiel etwa 44,6%. Im Heer waren es nur 7,7% und im Panzergrenadierbataillon 112 in Regen sind es aktuell 6,9%. Zumindest nach Zahlen ist Bayerwaldgrenadier zu sein also noch eine „Männerdomäne“, was aber täuscht: 44 Soldatinnen tun in Regen ihren Dienst, sie sind zum Beispiel eingesetzt als Kraftfahrerinnen von Schützenpanzern und anderen schweren Fahrzeugen, als Richtschützinnen (also Waffenbedienerinnen beim Schützenpanzer), als Truppsoldatinnen im infanteristischen Kampf, oder im Stabsdienst. Als Offizierinnen oder Unteroffizierinnen übernehmen sie auch Führungsaufgaben.

Bei den Panzergrenadieren in Regen ist also klar: Es geht nicht ums Geschlecht, sondern um Leistung. Und die kann von Frauen und Männern in allen Bereichen gleichermaßen erbracht werden.

Acht Schülerinnen zwischen 14 und 17 Jahre aus Dingolfing, Hauzenberg, Passau, Viechtach und Zwiesel konnten sich am diesjährigen Girls’Day, welcher nach einer Corona-Pause jetzt wieder jährlich stattfindet, selbst davon überzeugen. Um 09:30 Uhr wurden die Schülerinnen in der Bayerwaldkaserne begrüßt und zunächst mit einem Kurzvortrag in die Geschichte und den Auftrag des Bataillons eingewiesen. Im Anschluss hatten die Bayerwaldgrenadiere zwei Stationen für die Schülerinnen parat.

An der ersten Station konnte der Schützenpanzer PUMA, einer der modernsten Schützenpanzer der Welt, genauer unter die Lupe genommen werden. Die Besonderheit beim Panzergrenadierbataillon 112: Der ohnehin bereits moderne Panzer liegt nur hier – einzigartig im gesamten Heer – in der noch einmal modernisierten Ausführung für den Auftrag Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) im Rahmen der NATO Response Force (NRF) vor. Neben dem Schützenpanzer selbst erklärten zahlreiche Bayerwaldgrenadiere den interessierten Schülerinnen auch die persönliche Ausrüstung der Soldatinnen und Soldaten, mit Ausnahme von Waffen.

An dieser Station wurde deutlich: Bei den Bayerwaldgrenadieren hat man hochmoderne und gute Ausrüstung, die aber sehr schwer ist. Egal ob Soldatin oder Soldat, neben geistiger Schärfe muss man auch kontinuierlich an der eigenen Fitness arbeiten, wenn man Panzergrenadier sein möchte. Dass dies möglich ist, beweisen zahlreiche Soldatinnen und Soldaten jeden Tag.

Für die zweite Station durften die Schülerinnen auf den gepanzerten Radfahrzeugen DINGO und BOXER mit auf den Standortübungsplatz fahren. Der BOXER kann modular auch als Sanitätsfahrzeug, oder als mobiler Gefechtsstand – also quasi mobile Schaltzentrale eines Bataillons – eingesetzt werden. Auf dem Übungsplatz angekommen erklärten Soldatinnen und Soldaten des Aufklärungs- und Verbindungszugs den Schülerinnen die Fahrzeuge und ihr Tätigkeitsspektrum. Sie ließen auch eine ALADIN-Drohne fliegen, welche den Panzergrenadieren zur Aufklärung aus der Luft zur Verfügung steht.

Zum Abschluss bekamen die Schülerinnen Teilnahmeurkunden und weitere kleine Andenken an ihren Besuch überreicht. Es ist unmöglich, das breite Aufgaben- und Fähigkeitsspektrum eines Panzergrenadierbataillons an einem Tag zu erklären. Als Schnupperkurs in den Dienstalltag von Soldatinnen und Soldaten aber diente er allemal.

Besonders gefallen hatte den Schülerinnen die Technik des Schützenpanzer PUMA und das Mitfahren auf dem BOXER. Positiv hervorgehoben wurde auch das teilweise Anlegen von Ausrüstung wie der Schutzweste, um sich ein Bild aus erster Hand machen zu können, was beim Dienst bei den Bayerwaldgrenadieren an der Tagesordnung ist und erwartet wird. Somit verließen die Schülerinnen die Bayerwaldkaserne an diesem sonnigen Tag wieder. Die Bayerwaldgrenadiere würden sich über ein Wiedersehen freuen – dann vielleicht in Uniform.

Quelle: Schwarzmeier, Bundeswehr

Bilder: Sageder, Bundeswehr