Die Soldaten mitten in der Gesellschaft

von Michael Lukaschik

Regen. Es war erfrischend offen, was Fabian Korte da ins Mikrofon sprach. Mitten auf dem Regener Stadtplatz, vor hunderten von Zuschauern. „Zum Teil war er spannend, zum Teil war er zum Einschlafen“, sagte der junge Mann in Uniform. Korte ist seit einigen Wochen Soldat des Regener Panzergrenadierbataillons 112, macht seine Grundausbildung zum Panzergrenadier. Und dazu gehört auch theoretischer Unterricht, den Korte so ehrlich charakterisierte. Korte hob aber auch die große Kameradschaft hervor, die sich unter den jungen Soldatinnen und Soldaten herausgebildet hat, und er lobte die Ausbilder für deren Engagement.

Nach vielen Jahren Pause war der Regener Stadtplatz wieder einmal Schauplatz für ein Gelöbnis der Bundeswehr. 99 Rekruten waren dazu angetreten, 58 vom Regener Bataillon, 41 vom Panzergrenadierbataillon Oberviechtach. Ausgebildet werden sie nicht an ihren Stamm-Standorten. Die Regener Rekruten sind in Cham, die Oberviechtacher in Weiden.

Bürgermeisterin Ilse Oswald schwärmte nach dem militärischen Zeremoniell davon, wie schön es doch gewesen sei: die Musik des Heeresmusikkorps aus Ulm, dazu die Front der angetretenen Rekruten, die feschen Fahnenabordnungen und der Ehrenzug, der auf den Stadtplatz marschiert war – über dem Ganzen wölbte sich dann auch noch ein weiß-blauer Himmel.

Ilse Oswald, wie die meisten Zuschauer Laie in Sachen „Formalausbildung bei der Bundeswehr“, war auch gar nicht aufgefallen, was bei der Nachbesprechung des Gelöbnisses vielleicht zu ein paar ernsten Worten geführt hat. Die Fahnenabordnung und der Ehrenzug standen erst nicht ganz optimal auf dem Stadtplatz; und als der Kommandierende mit einem Befehl Abordnung und Ehrenzug nachrücken lassen wollte, da bewegten sich die Soldaten nicht ganz im Gleichschritt in Richtung der neuen Position. Zur Ehrenrettung muss man erwähnen, dass der Stadtplatz kein ganz leichtes Gelände für das Aufmarschieren ist; und dass es für das Gelöbnis keine Probe gab, um die Stadtplatzsperrung nicht länger auszudehnen.

Dass es eine ganz andere Welt ist, in der sich die jungen Rekruten seit einigen Wochen bewegen, das wurde aus den Worten Kortes auch klar. Oberstleutnant Jan Mirko Schmidt, Kommandeur der Regener Panzergrenadiere, ermutigte sie, durchzuhalten. Die Zahl der Ausbildungs-Abbrecher sei erfreulich niedrig, wie der Kommandeur erwähnte. Einen großen Dank sprach Schmidt der Stadt Regen dafür aus, dass sie den Stadtplatz für das Gelöbnis zur Verfügung stellt und so ein wirklich öffentliches Gelöbnis ermöglicht. „Ich bin froh, dass ich in einer Region Dienst leisten darf, wo so ein öffentliches Gelöbnis auch ohne große Sicherheitsvorkehrung stattfinden kann“, meinte er.

„Das Bataillon ist Bestandteil der Stadt“, hatte die Bürgermeisterin vorher in der Begrüßung gesagt. Die gute Zusammenarbeit zwischen der Region und der Bundeswehr sei auch durch die Verleihung des Preises „Bundeswehr und Gesellschaft“ gewürdigt worden, den Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen der Region verlieh. Den Rekruten gratulierte sie zu ihrer Entscheidung, einen Beitrag zu Frieden und Freiheit zu leisten.

Francisco Slany-Garacia, Patrick Miehling, Darko Petrovic, Fabian Emeling, Michael Kurz und Kevin Pillmayer legten dann stellvertretend für die Rekruten des Regener Bataillons die Hand an die Truppenfahne, um die Formel zu sprechen, in der sie geloben, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Nach den Hymnen gab es Gratulationen für die Rekruten. Unter anderem von Brigadekommandeur General Jörg See, Landrätin Rita Röhrl und den Ehrenpanzergrenadieren Willi Killinger, Michael Adam, Kurt Fiederling, Walter Fritz und Manfred Homolka.

Mit dem „Königgrätzer Marsch“ marschierten das Heeresmusikkorps, die Fahnenabordnungen und der Ehrenzug aus dem Stadtplatz aus. Und beim Ausmarsch zur Gelöbnis-Feier im Falter-Saal übernahm das Ensemble die musikalische Gestaltung, das schon vor dem Gelöbnis begrüßt hatte, die Neue Stadtkapelle Regen, die auch im Faltersaal aufspielte. Dort gab es für die Gäste Pichelsteiner und noch eine Ehrung: für die Angehörigen, die die weiteste Anreise hinter sich hatten, um beim Gelöbnis dabei zu sein. Es waren die Eltern des Panzergrenadiers Julian Straub, die 600 Kilometer aus Königsfeld angereist waren.

Quelle:

Ausgabe Der Bayerwald-Bote – Nr. 143
Datum Samstag, den 23. Juni 2018
Seite 19