Regen. Öffentliche Gelöbnisse haben in Regen und Umgebung eine lange Tradition. In Zukunft dürften sie aber deutlich rarer werden, weil die Rekrutenkompanie nächstes Jahr nach Cham verlegt wird. Am Donnerstag war der Appellplatz des Panzergrenadierbataillons 112 aber noch einmal Schauplatz dieses Zeremoniells, als 82 Rekruten, darunter eine Frau, gelobten, „der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Viele Familien der Rekruten verfolgten das Gelöbnis und hatten dafür zum Teil weite Anreisen auf sich genommen – wie die Angehörigen der Rekrutin, die rund 850 Kilometer aus Schleswig-Holstein in den Bayerwald gefahren waren. Der Weg dürfte sich gelohnt haben. Denn die Gäste des Gelöbnisses bekamen bei den Reden von Bataillonskommandeur Jan Mirko Schmidt und Bundestagsabgeordnetem Alois Rainer einen Eindruck von der Wertschätzung, die Soldaten am Standort Regen genießen.

Zu dienen sei keinesfalls altmodisch, sondern bedeute, für seine Überzeugungen und das Gemeinwohl einzutreten, stellte Rainer heraus. „Sie dienen der Würde des Menschen. Das ist das Edelste, was man tun kann“, lobte der Abgeordnete. Gerade in Zeiten des Wandels, in denen Krisen näher heranrücken, in denen im Nahen Osten ein Flächenbrand drohe, in denen hunderttausende Flüchtlinge Schutz suchen, in denen die NATO an ihrer Ostgrenze 4000 Soldaten stationiert. Kritische Fragen zur Daseinsberechtigung der Bundeswehr seien Vergangenheit. Trotzdem warnte der Abgeordnete davor, in sicherheitspolitischen Entscheidungen aus Prinzip „Nein“, aber auch nicht reflexartig „Ja“ zu sagen. „Wir Soldaten brauchen Rückhalt von der Politik, der Gesellschaft und unseren Familien“, knüpfte Kommandeur Jan Mirko Schmidt an seinen Vorredner an. Gerade in Regen klappe die Integration der Soldaten in die Gesellschaft hervorragend. Der Preis „Bundeswehr & Gesellschaft 2016“ sei ein ganz aktueller Beweis dafür.

Nur vier Soldaten, die am 1. November ihren Dienst begonnen hatten, haben ihre Grundausbildung vorzeitig abgebrochen – laut Schmidt eine erfreulich niedrige Quote. Sich durchzubeißen sei wichtig im Leben. Auch in der Grundausbildung gehe es nicht nur um das militärische Handwerk, sondern um den Umgang mit unterschiedlichen Menschen und um Kameradschaft.

Dieses Kameradschafts-Erlebnis hob auch Rekrutensprecher Florian Alexander La-Deur (19) hervor, als er in legerem Zungenschlag von den Erfahrungen der vergangenen Wochen erzählte. Als angenehm entspannt, aber dennoch bestimmt hat er die Umgangsformen in der Kompanie erlebt. Geduld und Hilfsbereitschaft würden es erleichtern, wenn man als junger Soldat an seine Grenzen gelange. Als nächstes stehen die Wachausbildung auf dem Programm, nach dem Jahreswechsel ein Winter-Biwak, Schießübungen und Rekrutenbesichtigungen. Ende Januar werden die Rekruten in ihre künftigen Stammeinheiten versetzt.

Quelle: pnp.de, Ingrid Frisch