Feuerwehr, THW und BRK sind im Einsatz, Soldaten stehen Sandsack bei Fuß

(PNP) Regen/Passau. Vier Uhr morgens war es am Montag, als die zwei Schnelleinsatzgruppen der BRK-Wasserwachten Regen und Viechtach aufgebrochen sind. Ziel Passau, hinten auf den Hängern zwei Flachwasserboote. Mit denen sind die acht Wasserwachtler gestern fast pausenlos im überfluteten Passau unterwegs gewesen. “Wir haben Evakuierungsfahrten gemacht, haben den Notarzt zu Einsätzen gebracht und auch schon die Presse rumgefahren”, erzählte der Regener Wasserwachtler Andreas Weichselgartner gestern Nachmittag am Handy. Stationiert waren die Regener an der Schanzlbrücke, von wo sie die Altstadt-Gassen per Boot ansteuerten. Dabei mussten sie aufpassen, dass sie mit ihren Hochwasserbooten nicht in die reißende Strömung der Donau gerieten, “das packen die Boote nicht, das wäre zu gefährlich”, sagt Weichselgartner.

 Nächster Einsatz in Deggendorf? Die Reaktion der Passauer auf die Katastrophe: “Es gibt viele, die sind erstaunlich gelassen”, erzählt der Wasserwachtler, “aber wir haben schon viele gesehen, die haben wassrige Augen gehabt.” Und er berichtet von etlichen Geschäften, aus denen die Inhaber die Ware nicht mehr rechtzeitig retten konnten. Die Regener Wasserwachtler sind gestern Abend nach Hause gekommen. “Material herrichten und warten, vielleicht werden wir in Deggendorf oder Straubing eingesetzt”, sagt Weichselgartner. Die Viechtachter Wasserwacht setzt den Einsatz in Passau heute fort.

Mit Warenrettung waren die Feuerwehrleute aus dem Landkreis Regen beschäftigt. Sie holten tausende wertvolle Teppiche aus einem Geschäft in der Innenstadt, um sie vor den braunen Fluten zu retten. Die Feuerwehren aus dem Landkreis sind am gestrigen Montag mit rund 140 Mann und Frau und 25 Fahrzeugen nach Passau aufgebrochen, wie Kreisbrandmeister Johann Achatz, Sprecher der Landkreis-Feuerwehren, berichtet. Bereits am Sonntag waren 76 Feuerwehrler aus dem Landkreis in Passau.

Das Kontingent wird gestellt von den Feuerwehren Ruhmannsfelden, Linden, Altnußberg, Kaikenried, Arnetsried, Teisnach, Viechtach, Lämmersdorf, Drachselsried, Hochdorf, Rabenstein, Lindberg, Niederndorf, Zachenberg, Kirchaitnach, Zwiesel, Drachselsried, Böbrach, Arnbruck und der UG-ÖEL. Die Leitung des Einsatzverbandes haben Kreisbrandrat Hermann Keilhofer und Kreisbrandinspektor Christian Stiedl. Bis zum gestrigen Abend waren sie im Einsatz.

Feuerwehr stockt Kontingent auf Aktiv waren die Feuerwehrler, die gestern in der Nacht wieder zurück kamen, außerdem bei der Bekämpfung eines Ölschadens in der Innstadt sowie in der zentralen Sandsackfüllstelle. “Wir haben brutal zu kämpfen”, berichtet Achatz von der körperlichen Anstrengung des Einsatzes, und fast schon resignierend fügt er an: “Und das Wasser steigt und steigt.”

Ebenso schon am Sonntag ist der Ortsverband Regen des Technischen Hilfswerks Regen in Passau gewesen, wie der Ortsbeauftragte Matthias Muhr berichtet. 16 Mann mit vier Fahrzeugen, darunter ein Kipper und ein Planenauto, waren in Marsch gesetzt worden. Regener THW-Kraftfahrer haben in Passau andere Fahrzeuge übernommen, andere Helfer haben sich um die Straßensperren gekümmert und haben Sandsäcke transportiert.

Gelassene Opfer der Fluten Auch gestern sind wieder acht THWler zum Einsatz aufgebrochen, acht waren über Nacht in Passau geblieben. Auch beim Hochwasser 2002 hat das Regener THW schon in Passau geholfen, außerdem beim verheerenden Oder-Hochwasser 1997. “Bei uns im Landkreis war es ja ruhig, da kann man schon auswärts helfen”, meint Muhr, der die Passauer auch ein wenig bewundert, weil sie die Flut einigermaßen gelassen hinnehmen, keiner gerate in Panik, so Muhr. “Mei, hoffentlich wird’s nicht so schlimm wie 1954”, sagte eine ältere Passauerin am Sonntag zu Muhr. Aber es wurde schlimmer.

Weil die vielen hundert Helfer in Passau auch versorgt werden wollen, ist vom BRK-Kreisverband Regen die Schnelleinsatzgruppe Betreuung/Verpflegung angefordert worden, wie Franz Ertl, Örtlicher Einsatzleiter beim BRK-Kreisverband Regen, berichtet. Seit den frühen Morgenstunden des Montag war die Schnelleinsatzgruppe Betreuung/Verpflegung aus Viechtach mit 13 Helferinnen und Helfern im Einsatz, um die Fluthelfer zu versorgen.

1000 Mahlzeiten aus dem Feldkochherd Die Mannschaft ist mit drei Fahrzeugen und einem Feldkochherd ausgestattet. Bei der Drei-Länder-Halle in Passau haben die BRKler ein Versorgungszentrum eingerichtet. Am Montagmittag wurden bereits über 1000 Helfer mit Essen versorgt.

Im Zuge der Hilfeleistung und Unterstützung der Bevölkerung bei der Hochwasserkatastrophe hat das Panzergrenadierbataillon 112 trotz des unmittelbar bevorstehenden Auslandseinsatzes sowie des erst kürzlich beendeten Truppenübungsplatzaufenthaltes rund 60 Soldaten und mehrere Fahrzeuge bereitgestellt, um im Hochwassergebiet zu unterstützen. Gestern liefen die Vorbereitungen, sollten die Regener Soldaten angefordert werden, können sie innerhalb weniger Stunden am Einsatzort sein. Der Großteil der bisher in Passau eingesetzten Soldaten kommt aus den Regener Nachbarbataillonen in Bogen und Freyung.

 

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http://www.pnp.de/region_und_lokal/paid_content/landkreis_regen/regen/822643_Hochwasser-Helfer-schleppen-und-schoepfen.html