Internationale Sicherheitspolitik betrifft auch den Standort Regen unmittelbar

Enorme Bandbreite möglicher Einsatzszenarien fordert nicht nur die Soldaten

Regen (hau). Generalleutnant Richard Roßmanith, der Befehlshaber des Multinationalen Kommandos Operative Führung in Ulm schlug mit seinem rund zweistündigem Ausführungen unter dem Thema: „Deutsche Sicherheitspolitik und die Bundeswehr nach Afghanistan und vor neuen Herausforderungen in der Welt“ die rund 100 geladenen Gäste in seinen Bann. Dabei machte er eindrucksvoll deutlich, dass der Einsatz von Soldaten nur ein Teil im breiten Spektrum der internationalen Sicherheitspolitik ist und Deutschland in vielfältigen Facetten betrifft. Dies zeige sich gerade auch in Regen nicht nur durch die Einsätze der Regener Soldaten sondern auch durch die aktuelle Aufnahme von Flüchtlingen.

Generalleutnant Richard Roßmanith kam auf Einladung der Kreisgruppe Bayerwald des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. und der Kameradschaft der ehemaligen Soldaten/Reservisten und Hinterbliebenen im Deutschen Bundeswehrverband in das Offizierheim der Regener Bayerwaldkaserne. Oberstleutnant d. R. Johann Saller konnte neben zahlreichen Kameraden und Gästen unter anderem auch: den stellvertretenden Landrat Willi Killinger; die 1. Bürgermeisterin der Garnisonsstadt Regen, Ilse Oswald und Langdorfs Bürgermeister Otto Probst; den Kommandeur des Regener Panzergrenadierbataillons 112, Oberstleutnant Michael Torger sowie dessen Vorgänger die Oberstleutnante a.D. Klaus Köppe und Georg Kuhndörfer begrüßen.

Sowohl Oberstleutnant d. R. Johann Saller als auch Oberstleutnant Michael Torger betonten in ihren Grußworten, dass man gerade auch in Regen die Überlegungen um künftige Einsatzszenarien von deutschen Soldaten in den zahlreichen aktuellen Krisenregionen in der Welt aufmerksam verfolge und man sich freue mit Generalleutnant Richard Roßmanith einen äußerst profunden Kenner der Thematik zu einem Vortrag in Regen gewonnen zu haben.

Generalleutnant Roßmanith machte deutlich, dass sein Kommando und er als potentieller Befehlshaber eines multinationalen Einsatzes an der Schnittstelle zwischen internationaler Sicherheitspolitik und einem praktischen Einsatz stehen: „Wir müssen die internationalen politischen Vorgaben in konkretes militärisches Handeln umsetzen!“ Die jüngsten Überlegungen und Planungen für Einsätze der Bundeswehr in der Ost-Ukraine, Kurdistan und in Westafrika im Kampf gegen die Ebola-Epidemie seien dabei nur einige Beispiele möglicher Einsatzszenarien. Er forderte dabei eine grundlegende, breit angelegte gesamt-gesellschaftspolitische Diskussion über die Interessen Deutscher Außen- und Sicherheitspolitik. Denn sehr schnell würden wir hier in Deutschland mit den vielfältigen Auswirkungen der Krisen in der Welt unmittelbar konfrontiert. In diesem Zusammenhang nannte der die Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Salafisten in Celle und Hamburg; den Einsatz deutscher Soldaten im Ausland und die Flüchtlingsproblematik. Wie schnell gerade auch die Garnisonsstadt Regen mit diesem Themen in Berührung komme, zeigten die zahlreichen Auslandseinsätze der Regener Soldaten und die jüngste Aufnahme von Flüchtlingen. Er spannte den Bogen von der Zeit des kalten Krieges bis heute: „Damals mussten wir kämpfen können um letztlich nicht kämpfen zu müssen! Heute müssen wir kämpfen können um in den Einsätzen bestehen zu können!“ Dies sei mit einer Wehrpflichtarmee und einer Dienstzeit von zuletzt 6 Monaten einfach nicht möglich, machte er deutlich. Doch der Einsatz von militärischer Gewalt sei dabei „… nur ein überschaubarer Teil der außen- und sicherheitspolitischen Instrumente“, die es in ihrer gesamten Komplexität zu nutzen gelte. Nur gemeinsam mit den Partnern der NATO, der Europäischen Union und im Dialog mit den jeweiligen regionalen Akteuren sei es möglich die Konflikte langfristig zu lösen bzw. zumindest einzudämmen. Ausführlich ging er auf den aktuellen Konflikt in der Ost-Ukraine mit Russland; die „…dramatische Erstarkung des Dschihadismus, also des extremistischen gewalttätigen Islamismus“ am Beispiel des Islamischen Staates (IS); die „..komplexe Unordnung“ in Afrika am Beispiel Libyen und Nord- sowie Westafrika ein. Auch auf den zu Ende gehenden ISAF-Einsatz in Afghanistan schaute er zurück: „Nicht alles hat sich so entwickelt, wie wir uns dies ursprünglich vorgestellt und geplant hatten. Mit Sicherheit haben wir nicht alles richtig gemacht und werden aus unseren Fehlern sicherlich lernen!“ Aber am Ende dieses Jahres seien die Afghanische Regierung und ihre Sicherheitskräfte nun in der Lage eigenverantwortlich für die Sicherheit in ihrem Land zu sorgen. Damit das Erreichte auch Bestand habe, werde die internationale Staatengemeinschaft im Rahmen der Folgemission „Resolute Support“ die afghanischen Sicherheitskräfte vor Ort weiterhin vor allem in der Ausbildung beraten und unterstützen.

Auch auf die Schlagzeilen und die aktuelle Diskussion im Hinblick auf die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr ging er ein. So habe er sich erst kürzlich auf der Internationalen Lehrübung von der Leistungsfähigkeit und der Einsatzbereitschaft des Deutschen Heeres „..auf höchstem Niveau“ überzeugen können. Natürlich habe man in der Vergangenheit in einigen Bereichen, wie z.B. der Ersatzteilbeschaffung sparen müssen, um die verfügbaren Gelder in die aktuellen Auslandseinsätze zu investieren. Hier seien auch Fehler gemacht worden und so gäbe es in einigen Bereichen eine gehörige Portion Nachholbedarf. Sicherheit gäbe es nun mal nicht umsonst. „Eine Bundeswehr, die funktioniert kostet Geld! Sehr viel Geld sogar!“ so der General. Die Gesellschaft und die Politik müssten sich entscheiden, ob sie Streitkräfte haben wollen und vor allem wozu sie diese haben wollen! „..was ihnen diese Streitkräfte wert sind und vielleicht auch, wie sie künftig mit denen umgehen wollen, die bereit sind, für sie zu sterben.

Unter dem Applaus der Gäste forderte er: „Die Bundeswehr muss wieder mehr in die Mitte unserer Gesellschaft rücken!“

 

Foto: von links: Oberstleutnant Michael Torger, Stellvertretender Landrat Willi Killinger, Regens Bürgermeisterin Ilse Oswald, Oberstleutnant d.R. Johann Saller, Generalleutnant Richard Roßmanith, Stabsfeldwebel a.D. Alois Ebner und Hauptmann d.R. Lothar Schreiner.