(PNP) Zwiesel/Frauenau. Mit würdigen Feiern ist am Samstagabend in Zwiesel und Frauenau anlässlich des Volkstrauertages der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht worden.

 Angeführt von der Bayerwald-Kapelle setzte sich in Zwiesel der Kirchenzug am Schott-Brunnen in Bewegung. Bürgermeister und Stadträte, Vereinsabordnungen und Bundeswehrsoldaten marschierten hinauf zur Stadtpfarrkirche, wo Stadtpfarrer Martin Prellinger den Gottesdienst zelebrierte. Seine Predigt stellte er unter das Leitwort Zeit. Immer knapper werde sie trotz − oder wegen? − ständiger Erreichbarkeit und Kommunikationsmöglichkeiten durch Facebook und Co, stellte Prellinger fest. Dennoch solle man sich Zeit nehmen für die Erinnerung “an den Wahnsinn des Krieges”. Denn wenn man keine Schlüsse ziehe aus den grausamen Ereignissen, wenn man die Zeichen der Zeit nicht erkenne, “kann uns das die Zukunft kosten”, so der Pfarrer. Nach dem Gottesdienst ging es unter dem Kommando von Max Wastl vom Krieger- und Soldatenverein im Schweigemarsch hinunter zum Kriegerdenkmal, wo die Liedertafel gesanglich auf die Trauerfeier einstimmte. Der Stadtpfarrer und sein evangelischer Kollege Heiko Hermann riefen zum Gedenken für die Opfer von Krieg und Gewalt auf und baten um Gottes Vergebung und Erbarmen.

Hauptmann Steve Lisch von der 2. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 112 hielt im Fackelschein die Gedenkrede. “Wir müssen wachsam sein”, mahnte er, “damit wir die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.” Wie ein Feuer müsse man Krieg und Gewalt schon in den Anfängen bekämpfen, “denn sonst ist es zu spät”. Terror und Gewalt seien auch heute traurige Realität, sagte Lisch und erinnerte an die drei Regener Soldaten, die − wie 50 andere Bundeswehr-Kameraden − in Afghanistan gefallen sind. Dennoch leistet die Bundeswehr nach Lischs Überzeugung am Hindukusch einen wichtigen Dienst. Es gebe gute Argumente für und gegen den Einsatz in Afghanistan und jeder müsse für sich entscheiden, wie er dazu stehe. “Es ist ein Privileg, dass wir das tun können”, unterstrich Lisch den Wert der Demokratie.

 Zu Böllerschüssen brachten dann Vertreter von Stadt, VdK sowie Soldaten- und Kriegerverein Kränze am Kriegerdenkmal an, bevor sich der Zug wieder stadtplatzabwärts in Bewegung setzte.

 ”Wir gedenken am Volkstrauertag nicht der Helden der Kriege, sondern der Opfer, denn Kriegshelden gibt es für mich nicht”, sagte Frauenaus Bürgermeister Herbert Schreiner in seiner Mahnrede am Kriegerdenkmal des Glasmacherortes. Auch dort gedachte man mit einem Gottesdienst, einem Schweigemarsch zum Kriegerdenkmal, einer Mahnrede und der Kranzniederlegung am Vorabend zum Volkstrauertag der Opfer von Krieg, Terror und Gewalt.

 Pfarrer Lorenz Glatz mahnte in seiner Predigt zur Wahrung der Schöpfung. “Bürgerkriege im Nahen Osten, Schäden der Atmosphäre, Umweltkatastrophen − zumeist handelt es sich um hausgemachte Katastrophen”, so Glatz. Er appellierte zu bedenken, “dass mit jedem Tier, das ausgerottet wird, jedem Wald, der gerodet wird, mit jeder Waffe, die tötet, ein Stück Welt untergeht”. Der Pfarrer verwies nachdrücklich auf den Auftrag Gottes, die Schöpfung zu bewahren, nicht zu zerstören. “Schließlich haben wir nur diese eine Erde.”

 Nach dem Gedenkgottesdienst zog man im Trauermarsch zum Kriegerdenkmal, wo der Gesangverein das Lied vom “Heldengrab” und die Blaskapelle Frauenau das Stück vom “Guten Kameraden” intonierten. In seiner Mahnrede wies Bürgermeister Herbert Schreiner darauf hin, dass hinter den unvorstellbaren Zahlen von Kriegstoten und dem Ausmaß von Zerstörung, Gewaltherrschaft und Terror der Verlust eines einzelnen Menschenlebens in der öffentlichen Beachtung oft zurückfalle. “Wir dürfen das nicht zulassen, denn es sind nicht Ruhm und Ehre, warum Menschen sterben müssen, es sind Entscheidungen von Kriegsherren”, so Schreiner.

 Für die Opfer der Kriege legte der Bürgermeister für Gemeinde, VdK-Ortsverband sowie Soldaten- und Kriegerverein einen Kranz nieder. Zum Abschluss dankte VdK-Vorsitzende Loni Stephan für die Gestaltung und die Teilnahme an der Gedenkfeier.
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